WEBSEITE VON JOSEF BÜCHELMEIER
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Auf dieser Webseite finden sich kurze Informationen über mich und mein Leben, meine Themen und Interessen und vieles mehr...

ʺwe are such stuff as dreams are made on and our little life is rounded with a sleep...ʺ  aus William Shakespeare - Der Sturm

Ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn die eigene Verletztheit für andere Menschen sichtbar wird? In den aktuellen Veränderungen rund um mich herum bemerke ich gerade, dass ich dünnhäutiger werde. Oder mich mehr als früher berühren lasse. Ist das vielleicht Sensibilität, oder...? 

In diesen Tagen Anfang 2017 verändert sich so vieles in meinem Leben. Ich trenne mich von Dingen, die mir nicht mehr viel bedeuten.  Ich trenne mich von Aufgaben und suche neue Wege. Ein wirklich befreiendes Gefühl, so schön...

Es gibt mehr Gedanken und Gefühle als Worte - dennoch schreibe ich manchmal einige Worte auf ...

Herbst

14. Okt 2016
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Am Sonntagabend - 16. Oktober 2016 - gab es im Südwestrundfunk II  eine lange Sendung zu der Rezeption des Textes und der Vertonung von "Feuilles mortes" von Jacques Prévert und der Übersetzung als "Autumn Leaves" und den Jazz-Interpretationen des Liedes dazu, das ursprünglich Yves Montand gesungen hatte:

 

Les feuilles mortes

Oh, je voudrais tant que tu te souviennes,
Des jours heureux quand nous étions amis,
Dans ce temps là, la vie était plus belle,
Et le soleil plus brûlant qu'aujourd'hui.
Les feuilles mortes se ramassent à la pelle,
Tu vois je n'ai pas oublié.
Les feuilles mortes se ramassent à la pelle,
Les souvenirs et les regrets aussi,
Et le vent du nord les emporte,
Dans la nuit froide de l'oubli.
Tu vois, je n'ai pas oublié,
La chanson que tu me chantais...
C'est une chanson, qui nous ressemble,
Toi qui m'aimais, moi qui t'aimais.
Nous vivions, tous les deux ensemble,
Toi qui m'aimais, moi qui t'aimais.
Et la vie sépare ceux qui s'aiment,
Tout doucement, sans faire de bruit.
Et la mer efface sur le sable,
Les pas des amants désunis.
 
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/jazz/swr2-jazz-geschichte-eines-jazz-standards-6/-/id=659242/did=18058270/nid=659242/5rgv1a/index.html
 

wie ist der Herbst doch voller Leben...

herbstliche lust

leuchtet auf und

farbenfroh fällt

der sommer ins laub

voll dicker trauben

und dionysisch rauscht

frischer wein ins fass

und lässt hoffen

auf tänze und lieder

im keller des winters

bis lange ins frühjahr

da keimt wieder hoffnung

Im Sommer und Herbst 2016 habe ich mich viel mit Ovid, seiner Liebesdichtung, den Metamorphosen und seiner Person und seinem Lebenswerk beschäftigt. Mir scheint als habe dieser Dichter auch den heutigen Menschen noch viel zu erzählen. Alles ist im Fluss, alles wandelt sich, alles ist von der Liebe bestimmt - aber die Liebe ist eine Kunst - so lässt sich verkürzt sein Werk deuten und begreifen. Nicht das rohe, ungestüme Begehren, sondern das Werben und Suchen, das Gestalten und bewusste genussvolle Erleben der Liebe - wo beide Beteiligte einen Genuss spüren sollen - das ist ein Lebensmodell, ein Liebesmodell von Ovid. Ob Erich Fromm oder Wilhelm Schmid, die im 20. Jahrhundert über die Kunst der Liebe schreiben - Ovid hat vor 2000 Jahren in einer Welt voller Mythen, Göttinnen und Götter ein Menschenbild entworfen, das dem Körper und der Seele gleichermassen gerecht wird.

 

Er schrieb in einer Zeit, die noch unberührt war von der "christlichen Weltverschmutzung" mit Erbsünden, Kreuzigungen, Kreuzzügen, Schuld und Erlösungsphantasien, frei von Apokalypsen und monotheistischen Rechthabereien bezüglich Dogmen und einzelner Buchstaben in sogenannten "Heiligen Schriften".

 

Wir können diese Zeit nicht zurückholen und das Geschehene, die Abläufe der Ereignisse, nicht umkehren, aber wir können noch heute eintauchen in diese Welt von einst und lesend und verstehend nachspüren, wie das Leben von Catull, Ovid, Tibull, Vergil, Lukrez, Cicero oder vielen anderen Autoren von ihnen selbst empfunden und von ihnen schriftlich vermittelt wurde. 

 

Das war bevor die radikale Verneinung der existierenden Welt von frühen Christen, christlichen Mönchen bis hin zu sogenannten Reformatoren (Hus, Luther, Calvin) und vermeintlich aufklärerischen Geistern  (Kant, Rousseau, Marx...) unser reales, alltägliches, konkretes Leben den von ihnen propagierten überirdischen Ideen und Werten unterordnete und damit  den Körper, das Sinnliche und die Welt als solche im echten Sinne "entwertete". Zum Unglück von vielen Menschen....

 

Ovid, a.a. III 41 f.

quid vos perdiderit dicam nescistis amare

defuit ars vobis arte perennat amor

Was war euer Verderben? Ich möchte sagen: Ihr habt nicht zu lieben gewusst.
Euch fehlte die Kunst - mit Kunst überdauert Liebe Jahre


Kunst ist das, was am Ende den Menschen zum Menschen macht, ihn  durch die Sehnsucht des Ewigen vom sogenannten "natürlichen" der Tiere und Pflanzen, aber auch in gewissem Sinn durch seine Neigung zur Vergänglichkeit von den Göttinnen und Göttern  unterscheidet. Kunst scheint wie eine Sehnsucht zu sein, das Ewige und das Vergängliche zu verbinden. Und Kunst als solche Sehnsucht gewährt den Bestand der Liebe, der Liebe, aus der alles Leben und die Welt ihren Ursprung haben. Liebe ist hier Eros, Amor, Cupido - diese unbändige Suche nach dem Augenblick der Ewigkeit - und zum Beispiel nicht die unmenschliche Hingabe an das schuldeinflössende Abschlachten eines Sohnes zur Befriedigung der Sühnegelüste des allmächtigen Vaters.....

 

 


24102016 / 05122016 /

Ovid - Ars amatoria "Liebeskunst"

Leonard Cohen: „I've seen the nations rise and fall/I've heard their stories, heard them all/but love's the only engine of survival.“

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© Josef Büchelmeier